BURON FotoPortfolio
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Nachträgliches

Geschenk

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Zwei   Tage   nach   meinem   Geburtstag   ist   es   gewesen.   Frühling war's,   der   Abend   mild   und   trocken.   Die   Kanzel,   auf   der   ich ansaß,   hatten   G.   und   ich   gemeinsam   gebaut.   Geschlossen, relativ   groß   und   damit   äußerst   bequem,   stand   sie   an   einem Altholzrand    und    war    über    eine    weite    Wiese    wunderbar anzulaufen,     denn     so     störte     man     das     Wild     in     seinen Einständen     nicht.     Wir     hatten     ihr     den     Namen     "Obere Rapskanzel"   gegeben,   da   sich   in   meinem   Anfangsjahr   dort   ein riesengroßer    Rapsschlag    befand.    Eine    "Untere"    existierte natürlich   auch.   Sie   war   sogar   die   ältere   der   beiden,   war   aber mehr    ein    gedeckter    Sitz.    Der    sich    hinter    der    neuen,    völlig geschlossenen   Kanzel   erstreckende   Wald,   in   dem   sich   auch einige    Dickungen    befanden,    blieb    beim    Anlaufen    gänzlich unberührt.     Das     Fahrzeug     konnte     man     in     ausreichender Entfernung   auf   einem   Feldweg   abstellen,   denn   diese   Kanzel lag    weitab    vom    Dorf    und    von    meinem    Wohnort    war    das Revier     mehr     als     zehn     Kilometer     entfernt.     Durch     das weitläufige   Waldgebiet   dahinter   zog   sich   die   innerdeutsche Grenze.   Daher   herrschte   für   das   Wild   völlige   Ruhe,   wenn   nicht gerade   mal   ein   paar   Grenzposten   ihre   Runden   zogen,   aber das   machten   sie   meistens   auch   nur   in   Nähe   der   Wiesen   und Dörfer.    Spaziergängern    begegnete    man    wegen    der    Grenze auch    äußerst    selten,    da    nur    diese    eine    Seite    des    Berges öffentlich     zugängig     war,     die     andere     Sperrgebiet.     Gute Bedingungen   für   das   Wild,   die   auf   die   sich   anschließenden Wiesen   und   Felder   zum   Äsen   hinauswechselten.   Saßen   wir auf   der   Oberen   Rapskanzel,   kam   es   somit   meist   aus   unserem Rücken auf die offenen Flächen gezogen. An   diesem   einen   herrlichen   Jagdabend   war   ich   einfach   nur froh,    wieder    hinaus    zu    können.    Am    Tag    zuvor,    nach    allen Geburtstagsfeierlichkeiten     und     Verpflichtungen,     hatte     ich beim   zeitlich   recht   knappen   Ansitz   eine   Ricke   in   etwa   200   m Entfernung    auf    die    Wiese    auswechseln    sehen.    Wiese    ist eigentlich   eine   glatte   Übertreibung   gewesen.   Sie   war,   wie   fast alle   Grünflächen   hier   in   Dorfnähe,      mit   reinem   Futtergras   für die   Kühe   angesät   worden.   Nur   die   Ränder   enthielten   noch einige    Kräuter.    Doch    dann    sprang    beim    diesem    Ansitz    am Vortag      zwischen   den   Bäumen   links   neben   der   Kanzel   noch ein   weiteres   Stück   Rehwild   auf   die   Wiese.   Allerdings   hatte   die Dämmung   da   schon   so   zugenommen   gehabt,   dass   ich   kaum erkennen     konnte,     um     was     es     sich     handelte.     Noch     im Sinnieren   stiebte   dann   auch   noch   ein   stärkerer   Bock   in   der linken   Waldecke   heraus   und   trieb   den   nun   sicher   als   jünger angesprochenen   Bock   quer   über   die   Wiese   ins   rechterhand liegende   Altholz.   Und   noch   später,   es   war   schon   kaum   noch Büchsenlicht,   erschienen   weitere   drei   Stücke   Rehwild   auf   der Fläche.   Fantastisch,   was   für   ein   guter   Bestand.   Ich   hatte   alle Mühe, unbemerkt von der Kanzel abzubaumen.
Hildruth Sommer - Böttchergasse 6 - 99891 Tabarz/Thür. - Tel.:  036259 39999
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Zwei   Tage   nach   meinem   Geburtstag   ist   es   gewesen.   Frühling   war's, der   Abend   mild   und   trocken.   Die   Kanzel,   auf   der   ich   ansaß,   hatten   G. und    ich    gemeinsam    gebaut.    Geschlossen,    relativ    groß    und    damit äußerst   bequem,   stand   sie   an   einem   Altholzrand   und   war   über   eine weite   Wiese   wunderbar   anzulaufen,   denn   so   störte   man   das   Wild   in seinen     Einständen     nicht.     Wir     hatten     ihr     den     Namen     "Obere Rapskanzel"    gegeben,    da    sich    in    meinem    Anfangsjahr    dort    ein riesengroßer    Rapsschlag    befand.    Eine    "Untere"    existierte    natürlich auch.    Sie    war    sogar    die    ältere    der    beiden,    war    aber    mehr    ein gedeckter   Sitz.   Der   sich   hinter   der   neuen,   völlig   geschlossenen   Kanzel erstreckende    Wald,    in    dem    sich    auch    einige    Dickungen    befanden, blieb   beim   Anlaufen   gänzlich   unberührt.   Das   Fahrzeug   konnte   man   in ausreichender   Entfernung   auf   einem   Feldweg   abstellen,   denn   diese Kanzel   lag   weitab   vom   Dorf   und   von   meinem   Wohnort   war   das   Revier mehr   als   zehn   Kilometer   entfernt.   Durch   das   weitläufige   Waldgebiet dahinter   zog   sich   die   innerdeutsche   Grenze.   Daher   herrschte   für   das Wild   völlige   Ruhe,   wenn   nicht   gerade   mal   ein   paar   Grenzposten   ihre Runden   zogen,   aber   das   machten   sie   meistens   auch   nur   in   Nähe   der Wiesen    und    Dörfer.    Spaziergängern    begegnete    man    wegen    der Grenze    auch    äußerst    selten,    da    nur    diese    eine    Seite    des    Berges öffentlich   zugängig   war,   die   andere   Sperrgebiet.   Gute   Bedingungen für   das   Wild,   die   auf   die   sich   anschließenden   Wiesen   und   Felder   zum Äsen   hinauswechselten.   Saßen   wir   auf   der   Oberen   Rapskanzel,   kam es somit meist aus unserem Rücken auf die offenen Flächen gezogen. An    diesem    einen    herrlichen    Jagdabend    war    ich    einfach    nur    froh, wieder       hinaus       zu       können.       Am       Tag       zuvor,       nach       allen Geburtstagsfeierlichkeiten     und     Verpflichtungen,     hatte     ich     beim zeitlich   recht   knappen   Ansitz   eine   Ricke   in   etwa   200   m   Entfernung   auf die    Wiese    auswechseln    sehen.    Wiese    ist    eigentlich    eine    glatte Übertreibung    gewesen.    Sie    war,    wie    fast    alle    Grünflächen    hier    in Dorfnähe,      mit   reinem   Futtergras   für   die   Kühe   angesät   worden.   Nur die   Ränder   enthielten   noch   einige   Kräuter.   Doch   dann   sprang   beim diesem   Ansitz   am   Vortag      zwischen   den   Bäumen   links   neben   der Kanzel    noch    ein    weiteres    Stück    Rehwild    auf    die    Wiese.    Allerdings hatte    die    Dämmung    da    schon    so    zugenommen    gehabt,    dass    ich kaum   erkennen   konnte,   um   was   es   sich   handelte.   Noch   im   Sinnieren stiebte   dann   auch   noch   ein   stärkerer   Bock   in   der   linken   Waldecke heraus   und   trieb   den   nun   sicher   als   jünger   angesprochenen   Bock quer    über    die    Wiese    ins    rechterhand    liegende    Altholz.    Und    noch später,   es   war   schon   kaum   noch   Büchsenlicht,   erschienen   weitere drei   Stücke   Rehwild   auf   der   Fläche.   Fantastisch,   was   für   ein   guter Bestand.      Ich      hatte      alle      Mühe,      unbemerkt      von      der      Kanzel abzubaumen.
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